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ÄZQ sucht interessierte Krankenhäuser zur Teilnahme an einem WHO-Projekt zur Patientensicherheit

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WHO-Projekt "Action on Patient Safety: High 5s" – Hintergrundinformationen zur Teilnahme Deutschlands.

 

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Hintergrund
Das Aktionsbündnis Patientensicherheit (APS) und das Ärztliche Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ) sind für die Durchführung eines Vorprojekts zu dem internationalen WHO-Projekt "High 5s" in Deutschland verantwortlich. Daher sucht das ÄZQ Krankenhäuser, die sich für die Teilnahme an diesem zukunftsweisenden Projekt interessieren.

Das internationale WHO-Projekt "Action on Patient Safety: High 5s"

Ziel des Projekts der World Alliance for Patient Safety (WHO) ist die Verbesserung der Patientensicherheit auf internationaler Ebene. Diesbezüglich wurden fünf Themenbereiche – die "High 5s" - als besonders dringlich bewertet. Im Rahmen des Projekts werden zu jedem dieser Themen standardisierte Handlungsempfehlungen ("SOPs" = Standard Operating Protocols) erarbeitet:

  1. Management von konzentrierten injizierbaren Medikamenten (Managing Concentrated Injectable Medicines)
  2. Sicherstellung der richtigen Medikation bei Übergaben im Behandlungsprozess (Assuring Medication Accuracy at Transitions in Care)
  3. Kommunikation bei Übergaben im Behandlungsprozess (Communication During Patient Care Handovers)
  4. Verbesserte Handhygiene zur Vermeidung krankenhausassoziierter Infektionen (Improved Hand Hygiene to Prevent Health-Care-Associated Infections)
  5. Vermeidung von Eingriffsverwechslungen (Performance of Correct Procedure at Correct Body Site)

Diese Handlungsempfehlungen sollen zunächst im Rahmen eines Pilottests in 10 Krankenhäusern pro Teilnehmerland eingeführt werden; die Implementierung wird begleitet und evaluiert. Im Anschluss daran ist eine möglichst flächendeckende Einführung geplant. Die Gesamtlaufzeit des Projekts beträgt 4 bis 5 Jahre.

Die Finanzierung des Projekts erfolgt multinational durch die teilnehmenden Staaten und mit Unterstützung des Commonwealth Funds. Das WHO Collaborating Centre for Patient Safety, dessen Aufgaben von der Joint Commission und der Joint Commission International (JCI) wahrgenommen werden, koordiniert das Projekt. Außer Deutschland nehmen die Niederlande, Großbritannien, die USA, Kanada, Australien und Neuseeland an dem Projekt teil.

"High 5s" in Deutschland
In jedem der teilnehmenden Länder ist eine Lead Technical Agency für die Koordinierung des Projekts zuständig. In Deutschland ist dieses das Aktionsbündnis Patientensicherheit (APS), das Ärztlichen Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ) leistet die operationale Durchführung.

APS und ÄZQ
Das Aktionsbündnis für Patientensicherheit (APS) und das Ärztliche Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ) setzen sich seit mehreren Jahren gemeinsam für eine sichere Gesundheitsversorgung in Deutschland ein. Es wurden bereits eine Reihe von Projekten zur Erforschung, Entwicklung und Verbreitung dazu geeigneter Methoden begleitet (z. B. Herausgabe von Empfehlungen für Krankenhäuser, Entwicklung von Trainingsmaterialien, etc.). Weitere Informationen über die Tätigkeiten von APS und ÄZQ finden sich unter www.aktionsbuendnis-patientensicherheit.de, www.forum-patientensicherheit.de und www.azq.de.

Auswahl der Handlungsempfehlungen
Im Rahmen des Vorprojekts, das vom Bundesministerium für Gesundheit (BMG) gefördert wird, werden die im Hauptprojekt ausgearbeiteten fünf standardisierten Handlungsempfehlungen im Hinblick auf den deutschen Kontext überprüft und angepasst. Weiterhin wird ein Projektplan für deren mögliche Implementierung in deutschen Krankenhäusern erarbeitet. So soll eine Grundlage zur Entscheidungsfindung bezüglich einer Teilnahme Deutschlands am Hauptprojekt geschaffen werden.
Für die Einführung der "High 5s" in Deutschland wurden die Handlungsempfehlungen

  • Management von konzentrierten injizierbaren Medikamenten und
  • Vermeidung von Eingriffsverwechslungen

für umsetzbar und geeignet befunden und sollen bei einer Teilnahme Deutschlands im Rahmen des Projekts implementiert und evaluiert werden.
Die endgültigen deutschsprachigen Fassungen der Handlungsempfehlungen werden in Kürze vorliegen.

Management von konzentrierten injizierbaren Medikamenten
Es ist international belegt, dass Fehler beim Umgang mit konzentrierten injizierbaren Medikamenten zu unerwünschten Ereignissen mit z. T. schwerwiegenden Folgen führen. Ursachen dafür sind u. a. ähnlich aussehende Etiketten und Verpackungen, die zur Verabreichung eines falschen Medikaments führen, oder Fehler bei der Dosierung oder Geschwindigkeit der Verabreichung, denen beispielsweise die falsche Berechnung der Verdünnung zugrunde liegt. Die Handlungsempfehlung benennt fünf wesentliche Prinzipien des sicheren Umgangs mit konzentrierten injizierbaren Medikamenten:

  1. Therapieprotokolle sowie die Anzahl und Art der verfügbaren injizierbaren Medikamente sollten vereinfacht und rationalisiert werden
  2. Die Konzentration der Lösungen sollte in Therapieprotokollen und auf den Etiketten durch die Einheit Gewicht/Volumen ausgedrückt werden
  3. Es sollten mehr sofort einsetzbare Produkte zur Verfügung gestellt werden, die nicht zusätzlich verdünnt werden müssen
  4. Falls sofort einsetzbare Produkte nicht verfügbar sind, sollten die konzentrierten injizierbaren Medikamente bevorzugt nicht direkt am Einsatzort, sondern möglichst in der Krankenhausapotheke o. ä. verwahrt werden
  5. Falls die konzentrierten injizierbaren Medikamente am Einsatzort verwahrt werden müssen, sollten die Risiken des Umgangs mit diesen Produkten unter Anwendung verschiedener in der SOP genannten Strategien minimiert werden.

Vermeidung von Eingriffsverwechslungen
Der weit gespannte Begriff "Wrong Site Surgery" aus dem angloamerikanischem Sprachraum bezeichnet unterschiedliche Verwechslungen bei einer Operation, wie die Verwechslung eines Eingriffsortes (z. B. der Körperseite), die Verwechslung einer Eingriffsart oder die Verwechslung eines Patienten. Die Datenlage zeigt, dass die Prävalenz von Eingriffsverwechslungen wahrscheinlich höher als bisher angenommen ist. Vorbeugende Maßnahmen in der präoperativen Phase sind zwar im Klinikalltag oft vorgeschrieben, werden aber nur unzureichend durchgeführt.

Die erfolgreiche Vermeidung von Eingriffsverwechslungen setzt eine konsequente und effektive Implementierung folgender drei Komponenten der Handlungsempfehlung voraus:

  1. Die Verifikation der Identität des Patienten während des Aufklärungsgesprächs vor oder nach der Aufnahme sowie zwischen Prämedikation und Narkoseeinleitung unmittelbar vor Eintritt in den OP
  2. Die Markierung des Eingriffsortes am Vorabend im Rahmen der Aufklärung oder am Morgen des Eingriffs
  3. Das "Team time out" unmittelbar vor dem Schnitt (z. B. Kontrolle aller Patientendaten anhand einer Minicheckliste).

Evaluation
Die Einführung der Handlungsempfehlungen soll wissenschaftlich begleitet, unterstützt, umfassend evaluiert und im internationalen Kontext verglichen werden. Umfangreiche Implementierungshilfen und Schulungskonzepte werden die Umsetzung begleiten. Die Einbeziehung der Patienten und ihrer Angehörigen wird Teil jeder Handlungsempfehlung sein.

Bei der Einführung jeder Handlungsempfehlung werden Basisparameter, Prozessparameter und Daten für Vorher-Nachher Vergleiche erhoben. Zusätzlich soll jede Implementierung unter folgenden Aspekten evaluiert werden:

  • Messung der Veränderung der Sicherheitskultur
  • Messung des Einflusses auf ökonomische Parameter (Kosten/Nutzen)
  • Messung von Patientensicherheitsindikatoren
  • Messung von Kriterien der Systematischen Analyse von auftretenden Ereignissen

Workshop für interessierte Krankenhäuser
Ein Workshop zu dem Projekt wird am 10. September 2008 in Berlin stattfinden.
Sollten Sie Interesse an der Teilnahme haben, sind Sie herzlich dazu eingeladen. Wir bitten Sie bis zum 31. Mai 2008 um Rückmeldung, ob Sie den Workshop besuchen möchten und welchen der beiden Termine Sie bevorzugen.

Für weitere Informationen stehen wir Ihnen jederzeit gern zur Verfügung.

Liat Fishman, Ärztin / Dipl.-Biol. Silke Astroth, MES
Dr. Christian Thomeczek
Ärztliches Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ)
Gemeinsames Institut von BÄK und KBV
Wegelystraße 3 / Herbert-Lewin-Platz, 10623 Berlin, 
Tel : +49-30-4005-2508, Fax: +49-30-4005-2555
Email: High5s_Germany@azq.de

Zuletzt geändert: 17.06.2008
 

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